Der Crash Course Kapitel 13: Ein Nationales Versagen zu Sparen

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Ich werde die Behauptung aufstellen, dass die US-Regierung insolvent ist. Diesen Begriff verwende ich mit Bedacht und Sorgfalt.

Ein Bankrott ist ein rechtlicher Vorgang, der seinen Lauf nimmt, wenn der Geldumlauf nicht mehr ausreicht, um die laufenden Verpflichtungen zu bedienen.

Insolvenz bedeutet, dass die Verbindlichkeiten die Vermögenswerte übersteigen und das ist der erste Schritt in Richtung Bankrott.

Der Crash Course hat die Aufgabe, Ihnen den erforderlichen Kontext und Daten an die Hand zu geben, damit Sie in der Lage sind, mögliche Situationen und Risiken zu bewerten, denen sich unsere Ökonomie binnen weniger Jahren gegenübersehen wird.

Meine Position ist, dass die nächsten 20 Jahre völlig anders als die zurückliegenden 20 Jahre sein werden. Um diese Aussage zu untermauern, erkläre ich Ihnen wesentliche Daten, die uns dann zu den folgenden sechs Bereichen führen:

Schulden, Ersparnisse, Vermögenswerte, Demographie, Peak Oil bzw. Erdöl-Fördermaximum und Klimawandel.

Jeder einzelne dieser Punkte könnte sich als gravierende ökonomische Herausforderung erweisen, aber die Kombination von zweien oder mehreren Komponenten gleichzeitig…, die daraus resultierenden möglichen Konsequenzen zu beurteilen, überlasse ich Ihnen.

Das ist eine Grafik zur privaten Sparquote, die bis ins Jahr 1959 zurückreicht.

Die private Sparquote ist die Differenz zwischen Einkommen und Ausgaben der US-Bürger ausgedrückt in Prozent des Einkommens.

Beispielsweise sagt ein Wert von 10%, dass von jedem Dollar der verdient wurde, 10 Cents gespart und nicht ausgegeben wurden.

Beachten Sie, dass die langjährige durchschnittliche Sparquote in den USA zwischen 1959 und 1985 bei ca. 9,2% lag.

Zum Vergleich: in Europa liegt dieser Wert bei 10% und in China bei erstaunlichen 30% des Einkommens, die gespart werden.

Ersparnisse sind für jeden von uns wichtig, weil sie einen finanziellen Puffer schaffen, der uns durch wirtschaftlich schwierige Phasen bringt./

Auf nationaler Ebene betrachtet, bildet sich aus Ersparnissen Investitionskapital, was die Grundlage zukünftigen Wohlstandes ist.

Sie mögen kürzlich gelesen oder gehört haben, dass die private Sparquote auf einen historischen Tiefpunkt gefallen ist, auf ein Niveau, dass man mit der Großen Depression assoziiert.

Und tatsächlich ist die Sparquote seit 1985 bis heute ständig gefallen. Das weist darauf hin, dass solche Meldungen kein kleines, vorübergehendes Aufblitzen auf dem Radarschirm sind, sondern vielmehr der Höhepunkt einer 25 Jahre andauernden Erosion bei den Ersparnissen, einer kulturellen Eigenart der US-Bürger.

Wie auch immer. Wir sind keine Nation statistischer Durchschnittswerte, sondern von Individuen.

Diese Grafik verschleiert die Tatsache, dass die extrem Wohlhabenden unglaubliche Mengen Geld sparen, während am unteren Ende die Sparquote stark negativ ist.

Warum ist das wichtig? Weil der griechische Philosoph Plutarch einmal sagte:

„Ein Ungleichgewicht zwischen Reich und Arm ist die älteste und tödlichste Krankheit aller Republiken.“

Was können wir noch aus dieser Grafik entnehmen?

Mal ganz einfach gesagt: sich ständig verringernde Ersparnisse sagen uns, dass die Mehrheit der Bürger die implizite Annahme teilt, dass es auch in Zukunft Kredite für sie geben wird. Ferner sagt es uns, dass die „Spare und gib dann aus“-Mentalität weitestgehend durch eine „kauf-jetzt“-Mentalität ersetzt wurde.

Und während wir diese Grafik ansehen, könnte uns auch auffallen, dass die Verringerung der Sparquote um 1985 herum begann.

Hmmmm … Moment… haben wir denselben Zeitrahmen nicht schon in einem der vorigen Kapitel über Schulden gesehen?

Ja! Ja, das haben wir. Diese Grafik zeigt alle Schulden aller Bereiche und bei der vorherigen ging es um die privaten Ersparnisse.

Wir können festhalten, dass die Toleranz unserer Nation gegenüber Schulden beginnend im Jahr 1985 drastisch zugenommen hat – dasselbe Jahr, in dem die Sparquote auf nationaler Ebene ihre lange Talfahrt in Richtung NULL begann.

Wenn Sie glauben wollen, dass die Zukunft größer, glänzender und leuchtender sein wird, als die Gegenwart müssen Sie auch glauben, dass geringe Ersparnisse und hohe Schulden der Weg zum Reichtum sind.

Ich bin da skeptisch, um es vorsichtig auszudrücken, weil das für mich einfach keinen Sinn ergibt, und gleich mehreren Naturgesetzen wiederspricht.

Eine andere Kategorie von Ersparnissen sind Pensionen und Rentenfonds.

Auch auf der Ebene der Bundesstaaten und Kommunen können wir beobachten, dass man versäumt hat, etwas anzusparen. Den Pensionskassen fehlt ein Betrag von ca. $1 Billion. Das bedeutet, dass als die Bundesstaaten und Kommunen sich das Geld durch Besteuerung einverleibten, diese sich bewusst dafür entschieden hatten, das Geld für sonst etwas was auszugeben, anstatt es in Pensionsfonds zu packen.

Wir können nur vermuten, dass die Idee dabei war, heute zu konsumieren und in der Zukunft irgendwen anderes herausfinden zu lassen, wie man das bezahlen kann. Also, für viele Bundesstaaten ist die Zukunft im Jetzt angekommen.

Was bedeutet das, wenn wir sagen, dass die Pensionskassen der Bundesstaaten und Kommunen um $1 Billion unterfinanziert sind?

Wie wird das berechnet? Diese fehlende Billion Dollar ist etwas, was man Net Present Value oder NPV nennt. Bei der Berechnung des Net Present Value werden alle derzeitigen Zuflüsse an Geld gegen die Abflüsse in der Zukunft verrechnet./

In unserem Beispiel kommen 6 Jahre lang $1’000 herein.

Da aber ein Dollar heute inflationsbedingt mehr wert ist, als ein Dollar in der Zukunft, muß der Wert der zukünftig vorhandenen Dollars berichtigt,
d. h. im Sinne einer realistischen Berechnung reduziert werden./

Nachdem wir die Teilsummen für Einnahmen und Kosten aufaddiert und die wahrscheinliche Entwicklung der Kaufkraft der Währung berücksichtig haben und letztlich diese Beträge verrechnet haben, bekommen wir eine Zahl, die positiv oder negativ sein kann

Nach dieser Methode wird ermittelt, wie es um die Pensionsfonds der Bundesstaaten und Kommunen bei realistischer Betrachtung steht.

Die Wertsteigerung der Vermögen der Pensionsfonds, plus die erwarteten zukünftigen Steuern, wird mit den Rentenauszahlungen verrechnet, mit andern Worten, die Pensionskassen sind nichts wert. Heute müssten zusätzlich $ 1 Billion Dollar in die Pensionsfonds eingezahlt werden, um die Aussenstände auszugleichen.

Aus den NPV-Berechnungen ergibt sich die wichtige Feststellung, dass die Zukunft bereits heute von uns in erheblichem Umfang zu Kasse gebeten worden ist. Abwarten und hoffen, dass alles doch anders und besser kommt, wird so einfach nicht funktionieren.

Wenn wir in diesem Jahr $1 Billion in die Fonds einlegen müssten, es aber nicht tun, dann wird diese Zahl im nächsten Jahr nur noch größer werden.

Der einzige Weg, wie diese Zahl geringer werden könnte, ist, dass die Zahl der bezugsberechtigten Pensionäre geringer ausfällt oder dass die Wertentwicklung hinsichtlich der Vermögenswerte der Fonds positiver verläuft als für die NPV-Berechnung angenommen.

Wenn man die Sache weiter verfolgt, sieht man, dass auch die Unternehmen sich dafür entschieden haben ihre Pensionskassen mit zu geringen Mitteln auszustatten, obwohl sie die höchste Profitabilität seit Jahrzehnten erreicht haben. Es fehlen 1,5 Billionen NPV-Dollars, die anderweitig verwendet wurden.

Da Rentenfonds typischer Weise in Anleihen und Aktien im Verhältnis 60 zu 40 investieren, vergrößert jede Rezession und jeder Abschwung am Markt das fehlende Geldvolumen.

In Teilen sind die Fehlbeträge bei den Pensionskassen eine direkte Folge des extrem niedrigen Zinsniveaus – Vielen Dank, Mr. Greenspan und Bernanke!

Aber auch dessen, dass die Marktindizes so ziemlich auf dem gleichen Niveau verblieben sind, wie vor 10 Jahren. Und das auch nur, wenn wir den Inflationsindex ausser acht lassen.

Wenn wir ihn berücksichtigen würden, müssten wir auf der Zeitleiste ein ganzes Stück weit zurück gehen.

Der Fehlbetrag bei den Pensionskassen wird um so verständlicher, wenn man bedenkt, dass die Berechnungen eigentlich von einer Steigerung der Vermögenswerte von 8-10% pro Jahr ausgingen, der Aktienmarkt aber seit gut 10 Jahren nicht zugelegt hat.

Wenn wir uns der US-Regierung zuwenden, kommen die wirklich gruseligsten Zahlen zum Vorschein.

David Walker, der vor kurzem in den Ruhestand gegangene , ehem. Chef-Controller der USA und einer meiner ganz persönlichen Helden, sagt über die US-Regierung:

  1. Ihre finanzielle Position ist noch schlimmer als bekanntgegeben
  2. Ihr Geschäftsmodell ist gescheitert
  3. Sie sieht sich „…mit Defiziten in ihrem Budget, bei der Zahlungsbilanz, den Ersparnissen und bei der Führung  des Landes konfrontiert

Nach meinen Untersuchungen liegt er damit absolut richtig. Und hier sind einige Daten, die das belegen.

Diese Tabelle stammt aus dem Jahresbericht 2008 der US-Regierung. Ich habe sie auf der WEBsite des Finanzministeriums gefunden.

Wieder haben wir es mit NPV-Werten zu tun. Der erste, ein $9 Billionen-Defizit, verdeutlicht die Situation der US-Regierung, ohne dass dabei auch die Sozialversicherungen oder MediCare und MedicAid dabei wären.

Nochmal: das bedeutet, dass alle Geldzuflüsse

zuzüglich aller Vermögenswerte der US-Regierung minus alle bekannten Geldabflüsse ein Minus von $8.9 Billionen ergeben. Soviel müssten irgendwoher kommen, um alle Verbindlichkeiten auszugleichen und alle Verpflichtungen zu bedienen.

(2010 werden wir bei einem Defizit von $14 Billionen angelangt sein.)

Aber das ist nicht mal ein Fünftel der ganzen Wahrheit.

Wenn wir die  Sozialversicherungskosten sowie MediCare und MedicAid mit berückdichtigen, bläht sich das Defizit auf $53 Billionen auf und zwar nach den eigenen Berechnungen des Finanzministeriums.

(Für 2010 liegt diese Zahl bei sagenhaften. $80 Billionen).

Wow! Lassen Sie uns kurz innehalten! Das ist mehr als das 4-fache des BIP!! Das bedeutet, die US-Regierung ist insolvent.

Voller Halt! Warum ist das nicht Schwerpunkt Nr.1 im Präsidentschaftswahlkampf?

Ein Land, das so tief in Schulden steckt hat einige, gewichtige Probleme hinsichtlich der eigenen Zukunft und ist potentiell auf dem Weg in den Bankrott.

Sie mögen den Gedanken hegen, dass es da Geld gibt, dass die US-Regierung beiseite gepackt hat, auf ein Konto, so eine Art Schließfach.

Dieses Bild zeigt George Bush, wie er direkt neben dem gesamten Sozialversicherungs-Treuhänderfond steht.

Da ist er … der gesamte Treuhänderfond besteht aus drei Ordnern gefüllt mit Zetteln, die sagen, das die US-Regierung das gesamte Geld ausgegeben und durch spezielle Staatsschuldverschreibungen ersetzt hat.

Halt mal … sind die T-Bonds nicht Verbindlichkeiten der US-Regierung?

Wie kann die Regierung sich selbst Geld schulden? Das geht doch gar nicht.

Alle Staatseinnahmen kommen entweder von den Steuerzahlern oder sind geborgt. Wenn also die Zeit kommt, wo diese speziellen Schuldverschreibungen ausgeglichen werden müssen, muss das Geld entweder vom Steuerzahler kommen oder durch weiteres Schuldenmachen beschafft werden.

Wenn es möglich wäre, sich selbst Geld zu schulden und obendrein Zinsen zu zahlen, dann könnten wir alle fabelhaft reich werden, indem wir uns selbst Schecks schreiben. Aber das ist natürlich ein törichter, leicht zu widerlegender Gedanke.

Wie man es auch dreht und abhängig davon, welche Zahlen der Regierungsbehörden man verwendet, das Defizit der USA liegt irgendwo zwischen $53 und $85 Billionen.

Diese Zahlen erschrecken sogar kleine Affen.

Und solche Zahlen beweisen, dass man ein NPV-Defizit nicht einfach per Wachstum los wird – im Gegenteil: das Defizit hat sich über die letzten 10 Jahre um $40 Billionen erhöht - fortwährend - in wirtschaftlich guten und schlechten Zeiten.

Schlussendlich: Sparen hat mit investieren zu tun. Gemäß der Amerikanischen Gesellschaft der Bau-Ingenieure, haben wir auch in dieser Hinsicht Probleme.

2005 untersuchten sie 12 Kategorien von Infrastrukturen, wie Brücken, Straßen, Trinkwassersysteme und Kläranlagen.//

Sie gaben der USA insgesamt ein „D“ (69-74%) und ermittelten,

Dass über die nächsten fünf Jahre $1,6 Billionen benötigen würden, um die USA auf die Höhe des Standards der „Ersten Welt“ zurückzubringen. Da das im Jahr 2005 errechnet wurde und die Inflation für Dinge, die aus Metall und Asphalt gemacht werden, seither enorm vorangeschritten ist, lassen Sie uns das aufrunden auf $2 Billionen.

Wenn wir das im Zusammenhang betrachten, stellen wir fest, dass sich das fehlende Sparen auf privater Ebene fortsetzt im fehlenden Sparen auf der Eben der Bundesstaaten und der Gemeinden sowie bei den Unternehmen.

Das alles ist im Endeffekt ein tiefgreifendes Versäumnis. All diese Defizite sind nun vor uns ausgebreitet und bringen mich zu der Schlussfolgerung, dass die nächsten 20 Jahre komplett anders verlaufen werden, als die letzten 20.

Das ist unser Vermächtnis – die wirtschaftliche und physische Welt, wie wir beschlossen haben, sie denen zu hinterlassen, die uns folgen werden. Wie sind wir in diese Situation geraten? Wie konnte das passieren?

Als nächstes befassen wir uns mit Vermögenswerten und sehen, wie sie sich im Vergleich zu unseren Schulden und den Ausmaßen unseres Nicht-Sparens denn so machen.

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